SVPler sauer: Zu viele Poller im Kanton St. Gallen!

Wil,
Damian Gahlinger nimmt die neuen Verkehrsberuhigungsmassnahmen in Zuzwil SG als Anlass, dessen Zweckmässigkeit grundsätzlich zu hinterfragen.

Das Wichtigste in Kürze
- Damian Gahlinger hinterfragt die Verkehrsberuhigungsmassnahmen im Kanton St. Gallen.
- Der SVP-Politiker findet: Es gibt im Kanton St. Gallen zu viele Poller.
- Diese würden die Aufmerksamkeit weg vom Menschen – hin zu Hindernissen verschieben.
Auf der Zuckenrieterstrasse kurz vor dem Ortsausgang der Gemeinde Zuzwil SG wurde vor Kurzem eine bauliche Verkehrsberuhigung vorgenommen:
Auf einem Streckenabschnitt von rund 500 Metern wurden zehn Poller installiert. Die Gemeinde möchte damit das Tempo des Verkehrs verringern und für mehr Sicherheit für Velofahrerinnen und Fussgänger sorgen.
Doch einige der Verkehrsteilnehmenden und Anwohnenden sind nicht zufrieden mit der Massnahme. SVP-Kantonsrat Damian Gahlinger echauffierte sich jüngst in einem Facebookpost über die Situation vor Ort, woraufhin es in den Kommentarspalten Kritik hagelte.

Vergangene Woche reichte Gahlinger eine Interpellation im Kantonsrat ein, in der er die Tendenz zu Verkehrsberuhigungsmassnahmen im Kanton St. Gallen hinterfragt.
Zuzwil als Beispiel
«Die Entwicklung in Zuzwil steht exemplarisch für eine problematische Tendenz im Kanton St. Gallen: Immer mehr Poller, Engstellen und künstliche Fahrbahnverschwenkungen führen nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu einer Verschlimmbesserung», schreibt der SVP-Politiker in seiner Interpellation.
Besonders stossend sei, dass solche Massnahmen nicht auf Quartier- oder Erschliessungsstrassen, sondern auf verkehrsorientierten Strassen mit übergeordneter Funktion umgesetzt werden. Dort würden sie einen sicheren und flüssigen Verkehrsablauf gefährden.
Die Folgen seien eine schlechtere Übersicht, Ablenkung, tote Winkel, abruptes Bremsen sowie erhöhte Auffahrunfallgefahr.
«Hinzu kommen Nachdrängen und Konfliktsituationen bei Engstellen, wenn Verkehrsteilnehmende um Vortrittssituationen konkurrieren oder noch ‹durchziehen› wollen. Die Aufmerksamkeit verschiebt sich weg vom Menschen – hin zu Hindernissen», heisst es in dem Schreiben.
Aufmerksamkeit weg von Verkehr
Damian Gahlinger ist sicher: «Schlechte oder künstlich erschwerte Strassen machen den Verkehr nicht sicherer.» Im Gegenteil zeige die Praxis, dass auf übersichtlichen, gut unterhaltenen Strassen mit hochwertigen Belägen wie Flüsterbelägen ruhiger, gleichmässiger und damit sicherer gefahren werde.
Künstliche Eingriffe würden Unruhe statt Sicherheit erzeugen. Auch ökologisch und volkswirtschaftlich sei diese Entwicklung kontraproduktiv, argumentiert der SVP-Mann: Stop-and-go-Verkehr, zusätzliche Bauwerke und Umwege würden Emissionen, Kosten und Ressourcenverbrauch erhöhen.
Gleichzeitig verschlechtere sich der Zustand zentraler Infrastrukturen. Strassen und Brücken würden ungenügend unterhalten, das sehe man zum Beispiel an der Mühlaubrücke.
Für Damian Gahlinger entstehe der Eindruck klar falscher Prioritäten: «Während die Substanz verfällt, werden Mittel für fragwürdige Detailmassnahmen eingesetzt.» Im Fall Zuzwil stelle sich zudem die Frage der Verantwortung, zumal die betroffene Strasse bislang unfallfrei und sicher war, so der Kantonsrat.
Wirksamkeit hinterfragen
Gahlinger möchte von der Regierung wissen, wie die Regierung die Wirksamkeit von Pollern und Engstellen auf verkehrsorientierten Strassen beurteilt.
Er fragt nach möglichen Auswirkungen auf Verkehrsteilnehmende, nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Massnahmen sowie nach der Rolle der Kantonspolizei und den Kontrollmechanismen bei der Umsetzung solcher Projekte. Zudem soll die Regierung die konkrete Situation vor Ort erklären.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.







