«Tank-Tourismus»: Deutsche füllen sich sogar Benzinkanister bei uns

Nico Leuthold
Nico Leuthold, Antun Boskovic

Bodensee,

Durch den Iran-Krieg sind die Benzinpreise massiv gestiegen. Während Schweizer in Italien tanken, zieht es Deutsche an die Schweizer Tankstellen.

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An dieser Tankstelle in Kreuzlingen TG tanken immer mehr Deutsche. - Nau.ch/Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Blockade der Strasse von Hormus liess die Benzinpreise in die Höhe schnellen.
  • Dies hat zur Folge, dass jetzt Deutsche in Kreuzlingen TG nach billigerem Benzin suchen.
  • «Im Monat macht das schon 50 bis 60 Euro aus», erklärt etwa Luca (22).

Seit Ende Februar herrscht im Nahen Osten Krieg. Wegen des Angriffs der USA und Israels hat der Iran die wichtige Handelsroute durch die Strasse von Hormus blockiert.

Das hat die Öl- und Treibstoffpreise auf der ganzen Welt massiv in die Höhe getrieben. Heisst: Benzin ist aktuell ein sehr teures Gut.

Schweizer tanken in Italien

Das macht sich unter anderem an der Schweizer Grenze bemerkbar. So etwa an der Grenze zu Italien.

Suchst du jeweils nach der günstigsten Tankstelle in deiner Umgebung?

Auf Schweizer Boden bleiben die Tankstellen zurzeit eher leer. Grund: Italiens Regierung hat die Mineralölsteuer vorübergehend gesenkt. Damit ist der Benzinpreis auf italienischer Seite aktuell deutlich attraktiver als in der Schweiz.

Ein anderes Bild ergibt sich im Norden der Schweiz. Denn dort strömen derzeit deutsche Autofahrer über die Grenze, um bei uns zu tanken.

«Wir sehen einen Tank-Tourismus»

So etwa an der LGG-Tankstelle in Kreuzlingen TG: «Wir sehen einen Tank-Tourismus, der von Deutschland zu uns rüber fliesst», erklärt Chef-Einkäufer Daniel Grossheutschi gegenüber Nau.ch.

In Zahlen ausgedrückt: «Seit Ausbruch des Krieges dürfen wir etwa zwei- bis dreimal so viele deutsche Kunden begrüssen» als sonst.

Der Grund? «Weil es am Ende des Tages einfach günstiger ist. Und es als Student dann auch eine Preisfrage ist», sagt der Deutsche Luca. Es sei «lohnenswert», über die Grenze zu fahren.

Deutscher spart bis zu 55 Franken im Monat

Der 22-Jährige sei auf das Auto angewiesen. In der Schweiz zu tanken, lohnt sich für ihn deutlich: «Im Monat macht das jetzt schon 50 bis 60 Euro aus.» Umgerechnet sind das 46 bis 55 Franken.

Auch Markus betont den Riesenunterschied. «Deshalb nehmen wir die fünf Kilometer gerne in Kauf.»

Glaubst du, dass der Benzinpreis dank der Waffenruhe sinken wird?

Vivienne tankt in Kreuzlingen nicht nur ihr Auto auf, sie füllt auch gleich zwei Benzinkanister mit je fünf Litern. Das sei «viel günstiger». In Konstanz (D) auf der anderen Seite der Grenze «ist das Benzin extrem teuer».

Sie habe lange Fahrtwege. «Es lohnt sich schon extrem, hier vollzutanken.»

In der Schweiz liegen die Benzinpreise laut TCS heute Mittwochmittag um die 1.89 Franken pro Liter. In Deutschland bei 1.99 Franken.

Das ist deutlich teurer als in den anderen Nachbarländern. In Frankreich kostet der Liter laut TCS 1.87, in Österreich 1.74 und in Italien sogar nur 1.70.

Wird Benzin jetzt billiger?

Ob die Autofahrer bald aufatmen können? In der Nacht auf Mittwoch einigten sich US-Präsident Donald Trump und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe. Die Strasse von Hormus soll zudem auch geöffnet werden.

An den Börsen herrscht seither Erleichterung, der SMI legte am frühen Morgen um 3,5 Prozent zu. Die Preise für ein Barrell (159 Liter) Öl sanken sogleich. Wird nun auch das Benzin billiger? Bisher unklar.

«Globale Schifffahrtsströme lassen sich nicht innerhalb von 24 Stunden wieder hochfahren», sagt Jennifer Parker, Professorin am Defence and Security Institute der University of Western Australia, der Agentur Bloomberg. «Tankereigner, Versicherer und Besatzungen müssen glauben, dass das Risiko tatsächlich gesunken ist – nicht nur pausiert.»

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