Bündner Strasse nur für Einheimische ist ein Erfolg

Domat/Ems GR hat an Ostern eine Umfahrungsstrasse nur für Einheimische getestet – und damit ein Problem gelöst, das viele Bündner Gemeinden seit Jahren kennen.

Das Wichtigste in Kürze
- Domat/Ems GR testete an Ostern erstmals eine «Blue-Line» gegen den Ausweichverkehr.
- Das ist eine Umfahrung, die nur Einheimische mit Bewilligung nutzen dürfen.
- 2500 Personen nahmen das Angebot an – die Gemeinde wertet den Pilotversuch als Erfolg.
Die Autobahn A13 durch Graubünden ist für viele Schweizerinnen und Schweizer die Alternative zum überlasteten Gotthard. Wer nicht stundenlang im Tunnel warten will, weicht auf die San-Bernardino-Route aus.
Doch zu Spitzenzeiten – wie etwa dem Oster-Wochenende – kommt auch die A13 an ihre Grenzen. Die Folge: Tausende von Autofahrerinnen und Autofahrern verlassen die A13 und suchen einen Weg durch die Nebenstrassen.
Sie schlängeln sich durch Bündner Dörfer, die eigentlich nichts mit dem Ferienverkehr zu tun haben. Was für die Durchreisenden eine clevere Abkürzung ist, wird für die Einheimischen zur täglichen Belastung. Die Quartierstrassen verwandeln sich in Ausweichrouten, Wohngebiete in Transitkorridore.
Knapp 2500 Autofahrer holten sich ein Ticket für die «Blue-Line»
Auch Domat/Ems GR gehört schon seit Jahren zu den verkehrsgeplagten Gemeinden entlang der A13. Zur Entlastung wurde deshalb über Ostern erstmals eine rund anderthalb Kilometer lange Alternativroute zur «Blue-Line» erklärt.
Das ist eine spezielle Strasse nur für Einheimische. Normalerweise sind auf diesem Abschnitt Velos sowie Fussgängerinnen und Fussgänger unterwegs.

Wer den Abschnitt befahren wollte, musste sich vorgängig bei der Gemeinde anmelden. Die Bewilligung war gratis, der Zutritt wurde von Sicherheitskräften kontrolliert. Auch wer im Dorf wohnte, aber keine Bewilligung hatte, durfte nicht passieren.
Die Resonanz war gross. Knapp 2500 Einwohnerinnen und Einwohner holten sich ein Ticket.
Gemeindepräsident Erich Kohler zieht gegenüber dem «Regionaljournal Ostschweiz» eine positive Bilanz: Mehr Sicherheit und mehr Bewegungsfreiheit für die Bevölkerung – beide Ziele seien erreicht worden.
Kanton setzt auf Ampeln
Andreas Pöhl, Verkehrsleiter beim kantonalen Tiefbauamt, gibt zu bedenken, dass die «Blue-Line» keine dauerhafte Lösung sei. Der Verkehr werde damit in den Naherholungsraum verlagert. Befürchtungen, die Umfahrung könnte zusätzlichen Rückstau im Dorf erzeugen, hätten sich aber nicht bestätigt.
Der Kanton Graubünden setzt deshalb unter anderem auf Ampeln. Eine solche Anlage steht auch vor dem Ortseingang von Domat/Ems und war an Ostern in Betrieb. Sie erzeugt künstlichen Stau und soll den Ausweichverkehr aus den Dörfern heraushalten.
Wie geht es weiter?
An Auffahrt und Pfingsten soll die «Blue-Line» erneut in Betrieb gehen. Nach dem Sommer wollen Kanton und Gemeinde gemeinsam Bilanz ziehen – und prüfen, ob sich ähnliche Modelle auch in anderen Bündner Ortschaften umsetzen liessen.










