Weinfelder Stadtpräsi Simon Wolfer: «Wahlergebnis ist Rückmeldung»

Desirée Müller
Desirée Müller

Weinfelden,

Der Weinfelder Stadtpräsident Simon Wolfer tritt erneut zur Wahl an. Er erzählt von den Herausforderungen und seiner Motivation, weiter zu machen.

Simon Wolfer will nochmals: Der aktuelle Stadtpräsident im Interview.
Simon Wolfer will nochmals: Der aktuelle Stadtpräsident von Weinfelden im Interview. - mul

Der Weinfelder Stadtpräsident Simon Wolfer hat Lust auf mehr. Auch wenn sein Job kein Ponyhof ist. Wolfer über lange Arbeitstage, schwierige Entscheidungen und eine Familie, die ihm den Rücken stärkt.

Redaktion: Warum braucht Weinfelden Sie nochmals vier Jahre – und nicht jemanden mit neuen Ideen?

Simon Wolfer: Es braucht Zeit, um sich vertieft in das Amt des Stadtpräsidenten einzuarbeiten, bestehende Dossiers abzuschliessen und Neues anzupacken. Kontinuität ist bei einem solchen Amt ein wichtiger Faktor.

Redaktion: Was können Sie heute besser als Stadtpräsident als an Ihrem ersten Arbeitstag?

Wolfer: Ich bin mittlerweile eingearbeitet und kenne die Themen, die Abläufe und die Menschen. Dadurch lässt sich das Tagesgeschäft, das den Grossteil meiner Arbeit ausmacht, effizienter und zielführender bewältigen.

Rathaus Weinfelden
Das Rathaus in Weinfelden. - keystone

Redaktion: Bei welchem Entscheid Ihrer bisherigen Amtszeit würden Sie heute sagen: Das würde ich nicht mehr gleich machen?

Wolfer: Als Stadtpräsident bin ich nicht allein bei wegweisenden Entscheidungen. Wir entscheiden gemeinsam als Gremium. Auf einen gefällten Entscheid folgt oft ein nächster.

Wichtig finde ich eine ständige und ehrliche Selbstreflexion sowie den Mut, auch mal einen Schritt zurück oder zur Seite zu machen.

Redaktion: Was haben Sie bei Ihrem Amtsantritt unterschätzt?

Wolfer: Als Stadtpräsident leite ich den Stadtrat und die Stadtverwaltung, ich bin verantwortlich für die Finanzen, die Ortsplanung, die Wirtschaftspolitik, das Marketing und die Kommunikation und ich repräsentiere die Stadt in der Öffentlichkeit und in zahlreichen Gremien.

Dabei wird man mit vielen Erwartungen konfrontiert, und man merkt schnell, dass man es nicht allen recht machen kann.

Redaktion: Sie gelten als Konsenspolitiker. Wann entscheiden Sie direkt, wann suchen Sie den Konsens?

Wolfer: Ich kläre für mich immer zuerst, ob ein Entscheid oder die Suche nach einem Konsens zielführender ist. Wenn es von mir einen Entscheid braucht, fällt mir das nicht schwer. Im Stadtrat versuche ich auf eine Diskussionskultur hinzuwirken, die sachlich kritisch, aber konsensorientiert ist.

Redaktion: Ist es als Stadtpräsident schwieriger geworden, ungefiltert mitzubekommen, was die Leute wirklich denken?

Wolfer: Das ist unterschiedlich. Die einen Leute sagen mir direkt, was sie stört oder beschäftigt, andere äussern sich eher im Hintergrund. Ich möchte weiterhin mit den Leuten ins Gespräch kommen, und zwar nicht nur mit denen, die mir zustimmen.

Redaktion: Trauen sich die Leute, den Stadtpräsidenten direkt zu kritisieren?

Wolfer: Nach meiner Wahrnehmung schon. Für konstruktive Kritik bin ich immer offen. Die Schwierigkeit liegt darin, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die einen verstehen das sehr gut und können das einordnen, andere weniger.

Soll Simon Wolfer wieder Stadtpräsident werden?

Redaktion: Wenn morgen ein Gegenkandidat auftauchen würde: Bei welchem Thema könnte er Sie angreifen?

Wolfer: Weinfelden ist eine ländliche Kleinstadt in einem politisch bürgerlich geprägten Umfeld. Das bildet sich auch im Stadtrat ab. Als Stadtpräsident versuche ich, auch Anliegen aus dem linken Spektrum Gehör zu verschaffen und zu berücksichtigen, insbesondere im Gesellschaftsbereich.

Eine Stadtpräsidentin oder ein Stadtpräsident einer linken Partei würde in diese Richtung vielleicht noch mehr Akzente setzen.

Redaktion: Welches Dossier hat Sie am meisten Nerven gekostet?

Wolfer: Ein bestimmtes Dossier gibt es nicht. Viel Zeit, Geld und Energie werden beansprucht, wenn die Arbeit und Entscheide von Stadtrat und Stadtparlament laufend beanstandet werden. Die Gremien sind dann beschäftigt mit Abklärungen und Diskussionen anstatt die Geschäfte zeitnah voranzubringen.

Redaktion: Wäre es für Sie eine Enttäuschung, wenn Sie zwar wiedergewählt würden, aber deutlich weniger Stimmen erhielten?

Wolfer: Natürlich würde ich darüber nachdenken. Ein Wahlergebnis ist immer auch eine Rückmeldung. Das Amt ist anspruchsvoll, ich gebe mein Bestes und dann kommt es so, wie es kommt.

Völlig unabhängig von einem Wahlresultat finde ich es wichtig, das eigene Verhalten und die eigene Politik laufend zu hinterfragen und sich Gedanken zu machen, was für die Bevölkerung als Ganzes wichtig und richtig ist.

Weinfelden
Aussicht auf die Altstadt und die ev. Kirchgemeinde in Weinfelden. - Nau.ch / Miriam Danielsson

Redaktion: Wie ist Ihr Wahlkampf geplant?

Wolfer: Ich will der Bevölkerung zeigen, dass der bestehende Stadtrat als Team unterwegs ist, um sich den grossen anstehenden Herausforderungen zu stellen, allem voran der Bewältigung des Wachstums. Dazu gehört für mich vor allem der direkte Kontakt zur Bevölkerung an verschiedenen Anlässen.

Redaktion: Und persönlich: Würde Ihre Familie Ihre Wiederwahl genauso klar befürworten wie Ihre Partei?

Wolfer: Meine Familie gibt mir Rückhalt. Sie erlebt alle Facetten des Amtes. Dazu gehören auch lange Arbeitstage, viele Abendtermine und Wochenendveranstaltungen. Meine Frau ist selbst auch berufstätig und sie leistet dazu ein sehr grosses familiäres Engagement.

Redaktion: Und die vielleicht gemeinste Frage: Was spricht eigentlich gegen Ihre Wiederwahl?

Wolfer: Da müssen Sie potenzielle Gegenkandidaten fragen. Wer eine zukunftsgerichtete, konsensorientierte und doch pragmatische Politik für Weinfelden wünscht, dem stehe ich gerne zur Verfügung. Ich bin motiviert und habe Freude an der Arbeit.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Weinfelder Nachrichten» erschienen.

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