Wirbel um geplatzten Millionen-Deal in Thurgauer Gemeinde

Der Verkauf des Postacker-Areals in Tobel-Tägerschen TG ist gescheitert. Gemeinde und Investorin nennen unterschiedliche Gründe.

Der geplante Millionen-Verkauf des Postacker-Areals in Tobel ist überraschend gescheitert. Obwohl die Stimmberechtigten der Gemeinde Tobel-Tägerschen TG dem Verkauf Ende April zugestimmt hatten, kam es bei den anschliessenden Vertragsverhandlungen zu keiner Einigung.
Nun legen sowohl die Gemeinde als auch die Investorin ihre Sicht der Dinge dar – und die unterscheiden sich deutlich. Mit einem Angebot von 18,5 Millionen Franken hatte sich die Blättler Holzbau GmbH beziehungsweise deren Tochtergesellschaft Postacker Immobilien AG im offiziellen Bieterverfahren gegen die Konkurrenz durchgesetzt.
Die Gemeindeversammlung gab dem Verkauf am 22. April grünes Licht. Doch statt des erwarteten Vertragsabschlusses folgte nun das Aus.
Grundlagen waren klar definiert
Der Gemeinderat von Tobel-Tägerschen erklärt in einer Mitteilung an die Medien, dass die Rahmenbedingungen des Verkaufs im Ausschreibungsdossier sowie in der von der Bevölkerung genehmigten Offerte festgelegt worden seien.
Während der Ausarbeitung des Kaufvertrags hätten sich jedoch Differenzen gezeigt. Nach Darstellung der Gemeinde bestanden unterschiedliche Vorstellungen über verschiedene Vertragsinhalte.
Dabei seien Forderungen aufgetaucht, die über die ursprünglich festgelegten Grundlagen hinausgegangen seien. Schliesslich habe sich die Käuferschaft entschieden, vom Kaufangebot zurückzutreten.
Der Gemeinderat betont, als öffentliche Körperschaft an die demokratisch legitimierten Vorgaben gebunden zu sein. Man habe den Vertrag auf Basis der beschlossenen Rahmenbedingungen abschliessen wollen und müsse dabei die Interessen der Öffentlichkeit wahren.
Trotz des Rückschlags sieht die Gemeinde weiterhin grosses Potenzial im Areal. Der Postacker bleibe als wichtige Entwicklungsreserve im Eigentum der Gemeinde.
Bereits würden Gespräche mit weiteren Investoren aus dem Ausschreibungsverfahren geprüft. Auch eine Neuausschreibung steht im Raum.
Keine Sonderwünsche gestellt
Ganz anders beurteilt die Investorin die Ereignisse. Joe Blättler Inhaber und CEO der Blättler Holzbau GmbH und der Postacker Immobilien AG weist den Eindruck zurück, der Verkauf sei allein am Rückzug des Unternehmens gescheitert.

Das Unternehmen betont, während Monaten erhebliche finanzielle, fachliche und organisatorische Ressourcen in das Projekt investiert zu haben. Ziel sei ein nachhaltiges Leuchtturmprojekt in moderner Holzbauweise gewesen, das der Gemeinde langfristigen Mehrwert gebracht hätte.
Nach Ansicht von Blättler scheiterte der Vertragsabschluss nicht an fehlendem Interesse oder an der Finanzierung. Diese sei jederzeit gesichert gewesen. Vielmehr habe es bei zentralen wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen keine ausreichende Klärung gegeben.
Als Beispiele nennt das Unternehmen Themen wie Erschliessung, Gebühren, Altlasten, Nutzungsfragen, Etappierung, Rückkaufsrechte sowie die Abhängigkeit von Bewilligungen und Drittentscheiden. Solche Punkte müssten bei einem Projekt dieser Grössenordnung vor Vertragsunterzeichnung verbindlich geregelt werden.
Blättler bestreitet zudem auf Anfrage dieser Zeitung, zusätzliche Vorteile oder nachträgliche Anpassungen ausserhalb der Ausschreibungsgrundlagen verlangt zu haben. «Es ist lediglich darum gegangen, Risiken und Verantwortlichkeiten klar festzulegen», so Blättler.
Streitpunkt Verhandlungskultur
Ein weiterer Konfliktpunkt betrifft den Verlauf der Verhandlungen selbst. Während die Gemeinde auf die Einhaltung der beschlossenen Grundlagen verweist, kritisiert Blättler eine aus seiner Sicht fehlende Bereitschaft, offene Fragen weiterzuverhandeln.
Der letzte Vertragsentwurf sei faktisch nach dem Prinzip «Take it or leave it» präsentiert worden. Dadurch sei eine gemeinsame Lösungsfindung nicht mehr möglich gewesen. Blättler ist überzeugt, dass bei einer konstruktiven Klärung der offenen Punkte und Verhandlungen auf Augenhöhe ein Vertragsabschluss möglich gewesen wäre.
Wie geht es weiter?
Fest steht: Das Postacker-Areal in Tobel Tägerschen bleibt vorerst im Besitz der Gemeinde. Der Gemeinderat hat die Bevölkerung an der Gemeindeversammlung von gestern Abend (nach Redaktionsschluss) über den aktuellen Stand informiert.
Während die Gemeinde auf neue Chancen für einen erfolgreichen Verkauf hofft, richtet Joe Blättler den Blick auf andere Projekte. Beide Seiten betonen jedoch, dass das Areal weiterhin über grosses Entwicklungspotenzial verfügt.
Der Millionen-Deal ist damit vorerst vom Tisch – die Diskussion darüber, warum er gescheitert ist, dürfte die Gemeinde aber noch länger beschäftigen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.







