FCK-Präsident: «Wir könnten jetzt auch Real-Spieler ausleihen»

Der FC Kreuzlingen schaffte nach dem Aufstieg in die Promotion League den Ligaerhalt. Präsident Bujar Emini spricht über die weitere Ausrichtung des Vereins.

Nach dem Aufstieg in die Promotion League ist dem FC Kreuzlingen in der vergangenen Saison die noch grössere Sensation gelungen: der Ligaerhalt.
Nun spielt der FCK die zweite Saison in der dritthöchsten Spielklasse. Im Interview spricht FCK-Präsident Bujar Emini über die zukünftige Ausrichtung des Vereins.
Redaktion: Bujar, ihr habt in der vergangenen Saison vorzeitig den Ligaerhalt geschafft. Bisher war der Start etwas durchwachsen. Wie zufrieden bist du?
Bujar Emini: Wir haben in den letzten Jahren sportlich so vieles erlebt. Dass wir aktuell nur auf der unteren Hälfte der Tabelle stehen, beunruhigt mich nicht. Ich beobachte unsere Spiele und sehe, dass wir mit jedem Gegner mithalten können, teilweise auf Augenhöhe oder sogar darüber sind.
In manchen Belangen fehlt uns einfach die Erfahrung, die Cleverness oder die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Wir spielen einen guten Fussball, aber belohnen uns meist nicht. Die Erwartungshaltung von aussen, auch von den Fans, ist schon etwas gestiegen, aber wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.
Trotz allem stimmt schon sehr vieles bei uns im Team. Ein wichtiger Grund dafür ist unsere Kontinuität. Kürsat Ortancioglu steht bereits in seinem zehnten Amtsjahr als Cheftrainer an der Seitenlinie. Er ist der Vater unseres sportlichen Erfolgs.
Redaktion: Der FC Kreuzlingen hat mitunter das kleinste Budget in der Promotion League. Wie schafft ihr es dennoch, euch ständig weiterzuentwickeln?
Emini: Wie schon erwähnt, stimmt bei uns vieles im Team und im Verein. Keiner ist auf einem Höhenflug. Wir denken und arbeiten als Verein überaus bodenständig und überlegt.
Wir wägen finanzielle Risiken vernünftig ab. Unsere Spieler sind zudem gerne bei uns, beim FCK ist niemand wegen des Geldes. Unsere Spieler zahlen sogar einen Anteil aus ihrer eigenen Tasche, nur um ins Trainingslager fahren zu können.
Aber das zeichnet uns schon seit Jahren aus. Auch im Verein werden alle Schritte hinterfragt und genaustens durchdacht. Den Verein nachhaltig zu entwickeln ist uns ein grosses Anliegen.

Redaktion: Der FC Kreuzlingen ist nun den nächsten Schritt in Richtung Professionalisierung gegangen und hat sich im FIFA Transfer Matching System registriert. Was sind die Beweggründe?
Emini: Zuerst möchte ich betonen, dass wir weiterhin dem Amateurbereich treu bleiben, unsere Spieler erhalten weiterhin keinen fixen Lohn. Aber wir wollen uns auch alle Optionen offen halten. Für das FIFA Transfer Matching System (TMS) hätten wir uns letzte Saison schon registrieren können, wollten aber den Ligaerhalt abwarten.
Hierfür mussten wir Kurse besuchen und bestimmte Anforderungen erfüllen. Das TMS ist eine digitale Plattform, über die Transfers von Nichtamateuren abgewickelt werden. Im Amateurbereich wird das über Clubcorner erledigt.
Mit Blick auf eine bessere Organisation war der Schritt nötig. Die Registrierung im TMS ermöglicht uns zudem eine neue Perspektive. Über Kooperationspartner wie dem FC Wil oder dem FC Rapperswil-Jona können wir künftig junge Spieler ausleihen, die dort einen Profivertrag unterschrieben haben.
Wir bieten diesen Spielern eine Option als Sprungbrett. Bestes Beispiel ist Alen Camdzic, der kürzlich vom FC Rapperswil-Jona per Leihe zu uns gestossen ist.
Redaktion: Welchen Mehrwert zieht der FC Kreuzlingen aus dem TMS?
Emini: Spieler über das TMS zu registrieren erfordert einen grösseren administrativen Aufwand. Zudem müssen auch alle Transfergegebenheiten bis ins kleinste Detail stimmen. Wir sind aber gut aufgestellt, um den Mehraufwand stemmen zu können.
Zudem ermöglicht uns das TMS höhere Chancen auf Perspektivspieler von Profi-Clubs, national und international, die dort auf zu wenig Spielzeit kommen. Wir können dadurch einen Mehrwert schaffen. Zunächst liegt der Ball aber erst mal bei uns.
Wir müssen gegenüber den Profi-Clubs an Vertrauen gewinnen, dass wir eine gute Adresse für deren Spieler sind. Unsere aktuelle Entwicklung in Sachen Zuschauer, Attraktivität und Sponsoring belegen das. Auch für unsere Spieler bietet das TMS eine Perspektive. Wir können jungen Spieler Möglichkeiten eröffnen, Profispieler zu werden, und finanziell davon profitieren.
Redaktion: Das heisst, der FC Kreuzlingen könnte auch Spieler vom FC Basel oder FC St. Gallen ausleihen?
Emini: Genau. Theoretisch wäre es sogar möglich, Spieler von Real Madrid auszuleihen. Finanziell würde das aber keinen Sinn machen. Wir wollen weiterhin kleine Brötchen backen und unsere Ideologie, vermehrt auf Spieler aus der Region zu setzen, beibehalten.
Bei allen Optionen, die sich uns neu bieten, müssen die Spieler für uns auch weiterhin in das FCK-System passen. Für uns gilt es in erster Linie zudem, unsere Kooperationen zu pflegen.
Wir verfolgen aktuell das Ziel, mit Wil und Rapperswil-Jona echte Partnerschaften aufzubauen, von dem alle Vereine und natürlich auch die Spieler profitieren können, eine Win-Win-Win-Situation also.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Kreuzlinger Nachrichten» erschienen.








