Klas Östman und Dylan Stanley: Der Stratege und der Tausendsassa

SLAPSHOT
SLAPSHOT, Kristian Kapp

Prättigau,

Der Coaching Staff des HC Davos besteht aus gleich drei Trainern, die letzte Saison noch Headcoach waren. Für HCD-Cheftrainer Josh Holden waren der Schwede Klas Östman und der Kanadier Dylan Stanley Wunschkandidaten für die Assistentenrollen.

Josh Holden HC Davos
Für HCD-Cheftrainer Josh Holden (mitte) waren der Schwede Klas Östman (links) und der Kanadier Dylan Stanley Wunschkandidaten für die Assistentenrollen - imago

Das vierköpfige Trainerteam in Davos ist international. Zum finnischen Goaliecoach Markus Ketterer kamen zwei neue Assistenten dazu: der Kanadier Dylan Stanley und der Schwede Klas Östman. Und Cheftrainer Josh Holden? «Er ist unser Schweizer», sagt Stanley schmunzelnd über seinen Landsmann. Er war sich bei seiner letzten Station in Feldkirch noch ganz anderes gewohnt: Im Staff konnten fünf Nationen gezählt werden, bei den Spielern neun.

«Wir nannten uns scherzhaft The United Nations of Hockey.» Mit einem Schweden hatte er aber noch nie zusammengearbeitet. Und Östmans Weg zum Coaching war ein ganz anderer als jener Stanleys, bei dem sich vieles schon früh abzeichnete – mehr dazu später. Östman wurde zum Trainerberuf quasi gezwungen.

Schaust du Eishockey?

Als Spieler hörte er 23-jährig auf. Am Talent habe es nicht gemangelt, am Biss schon eher, gesteht er. Diese Kombination helfe hin und wieder bei der heutigen Arbeit: «Ich kenne die Abkürzungen der Spieler…» Gleichzeitig habe er eine Schwäche entwickelt für jene mit dem Hang zum Nonkonformisten und nehme sich ihrer gerne an. Coaching-Pläne hegte er nach dem Rücktritt keine.

Er fand einen Job in einer Fabrik, doch sein Chef hatte eine Einstellungsbedingung: Das Hockeyteam seines 14-jährigen Sohnes suche einen Coach, er müsse dies nebenbei übernehmen. So begann für Östman alles. Mit 40 ergatterte er seine erste Arbeit im Ausland, als Assistent von Dan Tangnes wurde er 2021 Schweizer Meister in Zug und lernte Josh Holden kennen.

Klas Östman
Der Schwede Klas Östman. - HC Davos

Dieser stand ganz am Anfang seiner Trainerkarriere, Östmans Arbeit gefiel ihm. Als in Davos feststand, dass für 2025/26 zwei Assistentenposten neu besetzt würden, griff Holden zum Telefon. Östman war nach dreieinhalb Jahren als Headcoach Linköpings entlassen worden.

Davos hatte ihn immer schon gereizt, er hatte sich nach der Ära Del Curto 2019 beim HCD erfolglos für einen Assistentenjob beworben und war so stattdessen in Zug gelandet. Mit sechs Jahren Verspätung ist er nun an seiner Wunschdestination. Seine Arbeit ist ähnlich wie in Zug, Östman ist ein Defensiv-Tüftler und -Stratege und betreut vor allem die Verteidiger im Spiel mit und ohne Puck, sowie das Unterzahlspiel.

Die Hierarchie unter Holden sei flach, er erkenne im Wesen des Kanadiers viele Züge, die ihn schon damals als unerfahrenen Assistenten prägten. Die Rückkehr vom Chef- zum Assistenten-Job? «Ich will mit Menschen im Eishockey arbeiten, egal, wie die Jobbezeichnung ist», sagt Östman.

Er habe sich bereits bei Linköping nicht als klarer «Boss» gesehen. Er sieht sogar einen Vorteil als Assistent: «Ich bin glücklich, mich wieder mehr um Sport und meine Verteidiger kümmern zu können und weniger um Klubpolitik oder Medienarbeit.»

Dieses hier sei sein erstes Interview in der Schweiz, in Zug habe er nie mit Journalisten sprechen müssen, sagt Östman lachend. Östman lebt in Davos mit Ehefrau und zwei Söhnen, sechs- und achtjährig. Da kommt die Kleinstadt in den Bündner Bergen wie gelegen.

Klas Östman

Nationalität: SWE

Geboren: 29. April 1979

Bei HC Davos seit: 2025

Vertrag bis: 2027

Bisherige Klubs: Linköping HC (SHL), EV Zug (NL), Frölunda (SHL)

Dass abgesehen von der Spengler Cup- und WEF-Zeit kaum was los ist, stört auch ihn nicht: «Ich komme aus einer Kleinstadt in Nordschweden. Ich passe darum gut in diese Umgebung.» Wenn ihn etwas positiv überrascht, dann die «Grösse» des HCD: «Trotz seiner Historie ist der Klub eher klein und familiär.»

Dylan Stanleys viele Jobs

Stanleys Weg war anders. Dass aus ihm ein Trainer würde, zeichnete sich schon als Spieler ab. Mit dem 42-Jährigen weiss Holden einen Tausendsassa im Staff. Die letzten elf Jahre verbrachte der Kanadier in Feldkirch. Erst mit 38 trat der frühere Center zurück, doch schon da war er längst mehr als «bloss» ein Stürmer. Stanley war in den letzten zwei Jahren inoffiziell auch Assistenztrainer. Und da war noch mehr.

Schon wenige Jahre nach seiner Ankunft in Österreich wurde er Skills Coach, Konditionsund Off-Ice-Trainer und dazu im ganzen Klub fürs Player Development zuständig. Als er letzten Sommer das «Ländle» verliess, hatte er zudem hin und wieder auch beim Coaching in den Juniorenteams bis hinunter zur U11-Stufe ausgeholfen.

Stanley machte einst Schlagzeilen, weil er zunächst am Nachmittag mit der U11 Salzburg bezwang und am Abend als Cheftrainer des Männerteams ebenfalls erfolgreich war – zufällig ebenfalls gegen Salzburg.

HC Davos Stanley
Der Kanadier Dylan Stanley. - HC Davos

Die Presse erfuhr von seinem Doppeleinsatz, weil einer der Väter des Kinderteams Bilder der jubelnden Kids mit Stanley in den sozialen Medien postete. Diese Episoden zeigen einerseits, wie Stanley als Trainer tickt und andererseits, welch vielseitigen Arbeiter der HCD da verpflichtet hat.

Holden gefiel, was er beim ersten Gespräch hörte, nach der Verpflichtung Stanleys übertrug er ihm auch Aufgaben, die über den normalen Job eines Assistenten hinausgehen. «An erster Stelle steht natürlich der Job als Assistent», sagt Stanley.

In jener Funktion ist er zuständig für Diverses in der Offensivzone wie Bullys, Forechecking, Powerplay und grundsätzliche Spielzüge. Der HCD nützt ihn aber auch als Skills Coach. Dann geht er auch mal an freien Tagen aufs Eis mit Spielern, die um Hilfe bitten. «Filip Zadina zum Beispiel will mit diesen Zusatztrainings auf seinem hohen Level bleiben», erzählt Stanley.

Und wer nun meint, dass ein ausserhalb von Insiderkreisen unbekannter junger Trainer mit Erfahrung bloss in Österreich an seine Grenzen stösst, der muss auch dies wissen: Stanley hatte in Feldkirch noch einen Nebenjob im Sommer. Er betreute als Skills Coach auch Weltklassespieler wie Timo Meier oder Marco Rossi.

Dylan Stanley

Nationalität: CAN

Geboren: 24. Januar 1984

Bei HC Davos seit: 2025

Vertrag bis: 2027

Bisherige Klubs: Pioneers Vorarlberg (ICEHL), VEU Feldkirch (Austria3/AlpsHL/U20)

Die Arbeit mit NHL-Stars unterscheide sich nicht grundlegend von jener mit jungen Davosern wie Rico Gredig oder Beni Waidacher: «Es geht in erster Linie auch darum, Vertrauen aufzubauen.» Mit all den Jobs stiess und stösst Stanley hin und wieder an seine Grenzen.

«Ich habe auch schon von meiner Frau zu hören bekommen, dass ich zu viel arbeite», sagt der Kanadier. Der Vater von zwei Kindern ist aber überzeugt, dass erst all seine Erfahrungen und seine vielleicht einmalige Vielseitigkeit die Gründe seien, wieso er einen Job in der Schweiz und bei einem Klub wie Davos erhalten habe.

Weiterlesen

hc davos
3 Interaktionen
Pleite in Langnau
HC Davos
Vor Quali-Sieg
spengler cup
Premiere!

Mehr aus Graubünden

Mehr aus Ost

a
Wie bitte?
FCSG
46 Interaktionen
5:1 in Winterthur
4 Interaktionen
Patrouille Suisse